Biographie
Johann Friedrich Dexheimer *12.11.1922
Johann Friedrich Dexheimer wird am 12.11.1922 als Sohn eines Land- und Gastwirtes geboren. Zusammen mit zwei Schwestern wächst er in dem beschaulichen Walddörfchen Oberwiesen auf. Ihm ist allerdings nur eine kurze unbeschwerte Kinder- und Jugendzeit beschert, denn der Krieg verlangt auch von ihm seinen Tribut. Seine Erinnerungen an diese für viele bestimmt schwer zu verarbeitende Zeit hält er in späten Jahren jedoch schriftlich fest. Mit seinem Buch "Heimwehmelodie", das in Zweitauflage als "Sehnsucht nach der Heimat" neu veröffentlicht wird.
Doch eins nach dem anderen. Als junger Mann muss er die Leiden des Krieges und der Kriegsgefangenschaft erfahren. Nach seiner glücklichen Rückkehr übernimmt er als einziger Sohn den elterlichen Betrieb, heiratet seine Gertrud und wird Vater von fünf Kindern. Seine Tatkraft, seine Energie steckt er in das Landgasthaus, das weit über die regionalen Grenzen bekannt ist. Denn das Gasthaus ist neben seiner Familie sein Leben. Die ganze Familie hilft mit, den Betrieb am Laufen zu halten. Gut bürgerliche Küche, Hausschlachtungen, sowie die natürliche Herzlichkeit der Dexheimers liefern die Grundlage für das Lokal.
Auch nach dem Krieg gilt es, so einiges Abenteuerliches zu bestehen. So wird er im Dezember 1983 in der Sparkassen-Filiale des Dorfes als Geisel genommen. Der Bankräuber hält ihm eine Pistole an den Kopf und fordert den Kassierer auf, ihm Geld zu geben. Dexheimer denkt nur: Jetzt habe ich den Krieg und die Gefangenschaft überlebt und soll nun hier sterben? Aber dazu kommt es Gott sei Dank nicht. Der Bankräuber erhält sein Geld und flüchtet. Leib und Leben seiner Geisel verschont er.
Harmloser geht es da schon zu, wenn die Angus-Rinder, die die Dexheimers zeitweise auf ihren Wiesen mästen, sich aufmachen, ungefragt die Umgebung zu erkunden. Sie büxen aus und laufen davon. Ein Suchtrupp muss zusammen gestellt werden, um die Rindviecher zum einen zu finden und zum andern wieder einzufangen und heim zu bringen. Arbeit gibt es immer genug. Schweine großziehen, Ställe ausmisten, Kartoffeln legen und ernten, Getreide anbauen, Wiesen pflegen, um eine gute Heuernte zu erhalten. Koppelzaun in Ordnung halten, und und und... . Das ist nur der Teil der Arbeit, der die Landwirtschaft betrifft. Dann gibt es da ja noch das Hauptgeschäft: Das Landgasthaus. Einkaufen, Werbung machen, Personal einteilen, selbst hinter dem Tresen stehen, Gäste bewirten, Speisepläne erstellen, sich mit seiner Frau absprechen, die das Regiment in der Küche führt, während er selbst den Service unter sich hat. Die Buchhaltung nicht zu vergessen. Die Unterbringung der Gäste in den Gästezimmern, abends lange bei den Gästen verweilen, die Frau, die morgens dann das Frühstück bereitet. Zwischendurch muss das Vieh gefüttert werden. Der Getränkevertrieb ist auch Teil des Betriebes. Das heißt, auch die Auslieferung der Getränkebestellungen gehört zum Aufgabenbereich. Und immer und überall gilt es zu rechnen und zu kalkulieren. Und Arbeit gibt es mehr als genug. So auch die vielen großen und kleinen Reparaturen, die zu erledigen sind. Das heißt, Dexheimer fungiert auch sozusagen als Hausmeister.
Zwischen all der vielen Arbeit findet Johann Friedrich Dexheimer aber auch noch genügend Zeit, um sich mit den Belangen der kleinen Ortsgemeinde Oberwiesen zu befassen. 14 Jahre ist er als Gemeinderatsmitglied aktiv. Gilt als Ansprechpartner, wenn jemand mit Behörden nicht klar kommt und verfasst auch mal Anschreiben für den ein oder anderen.
Dann beginnt ein Alptraum. Am 29.01.2001 wird seine Frau auf der Straße schwer angefahren und hat kaum Überlebenschancen. Doch ihr Wille zum Leben ist groß. Entgegen vieler Erwartungen überlebt sie. Allerdings sind die Verletzungen so schwerwiegend, dass an ein Weiterführen des Gasthauses leider nicht mehr zu denken ist.
Als Rentner hat Johann Friedrich Dexheimer nun Zeit. Zuerst beginnt er im Alter von 70 Jahren, sich mit dem Computer zu beschäftigen. Als Autodidakt beherrscht er schon bald den PC optimal, um seine ersten Texte zu fertigen. Denn er besinnt sich seiner kreativen Ader. Sein Talent liegt eindeutig in der Dichtkunst. Aber nicht etwa in der "normalen" Dichtkunst. Nein, Johann Friedrich Dexheimer verfällt dem Charme der pfälzischen Mundart. Als "Pälzer Mundartdichter Johannes Dexheimer" kann er beachtliche Erfolge aufweisen, die mit etlichen Preisen geehrt werden.
Dann erinnert er sich an seine Jugend und die damit verbundene schwere Zeit im Krieg und in russischer Kriegsgefangenschaft. Er verarbeitet diese gedankliche Last, indem er alles niederschreibt. Original-Postkarten und sein Gedächtnis liefern ihm die Grundlage für die Autobiographie "Sehnsucht nach der Heimat - Die geraubte Jugend".
Aber trotz allen Übels, das die Vergangenheit ausgelöst hat und das auch mit dem schweren Unfall und dem Tod seiner Frau bis in die Gegenwart anhält, behält Johann Friedrich Dexheimer noch immer seinen Humor und seinen Optimismus. Seine schriftstellerische Arbeit, oder besser gesagt: das Vergnügen, sich schriftstellerisch betätigen zu können, bereitet ihm große Freude und auch Entspannung. Er ist für seine pflegebedürftige Frau da, hilft, wo er kann, ohne an seine eigene Schonung zu denken. Ablenkung findet er in seinen Gedichten. Zuerst beginnt er, seine Pfälzer Mundartgedichte ins Hochdeutsche zu zaubern. Danach schreibt er immer mehr Gedichte in Hochdeutsch, so entsteht dann der Band "Für alle brennt ein Kerzlein hell", ein Weihnachtsgedichteband, mit klassisch zeitlosen und wunderschönen Illustrationen versehen. Beides, Gedichte und Illustrationen, sind ein Seelen- als auch Augenschmaus.
Damit nicht genug. Johann Friedrich Dexheimer begibt sich auf ein neues Gebiet seiner schöpferischen Gestaltung. Er schreibt seinen ersten Roman: "Elena". Die Geschichte einer jungen Frau, deren Gefühlswelt durch ein Labyrinth führt, von dem keiner sagen kann, wo der Ausgang liegt und wie dieser aussehen mag.
Johann Friedrich Dexheimer denkt nicht daran, sich zurückzuziehen. Er gehört nicht zu der Sorte Mensch, die sich auf die faule Haut legt. Er wird weiter an seinen Gedichten schreiben, vielleicht noch einmal einen Roman? Wer weiß? Agil, fit bleiben mit Geist und Körper, das ist sein Credo.
Als seine Frau dann stirbt, geht für ihn ein Teil seines Lebens verloren. Die Trauer ist zu groß. Und doch fängt er sich wieder und findet Ablenkung in seinen Werken. In den alten als auch wieder in neuen. Wir dürfen gespannt sein.
Sein Elternhaus in Oberwiesen
Johannes Dexheimer in Aktion

